samuel blatter
composer
singer
pianist

Gedanken zu meiner Musik (2010)

Ich persönlich mag Musik, die mich berührt und das tut sie meistens dann, wenn sie von tief innen kommt, wenn etwas Zwingendes dabei ist und vor allem etwas Persönliches, Eigenes, das sie vom Rest unterscheidet.
Meine Musik setzt sich zusammen aus vielen Musikstilen, die mich irgendwann beeinflusst haben und die sich zu meinem «Wortschatz» hinzugefügt haben. Ich versuche einfach meine eigene Sprache zu sprechen.

Beim Komponieren habe ich zwei Arbeitsweisen. Die eine ist intuitiv. Nach einem intensiven Erlebnis oder auch beim Nichtstun im Zug fällt mir eine Textzeile oder eine Melodie ein. Oft schreibe ich zuerst den Text und folge dabei einem Rhythmus, der mir gefällt. Danach spreche ich mir den Text vor und nach und nach höre ich eine Melodie dazu. Wenn ich die Melodie zuerst habe, summe ich sie vor mich hin und suche dazu Wörter, die in den Fluss passen. Oft kreisen sie um ein Thema, das mich gerade beschäftigt. Danach suche ich oft sehr lange für einzelne Wörter, die dem gewünschten Klang und Sinn entsprechen. Manchmal ist es auch eine Basslinie, oder ein Drum Beat, der mir zuerst einfällt und mir als Anfangspunkt dient. Wenn die erste Idee da ist, entwickelt sich daraus der Rest des Songs. In seltenen Fällen schreibt er sich wie von alleine, oft ist es aber ein Kampf bis die Akkorde genau so sind, wie ich sie will, die Melodie stimmt und die Wörter sitzen. Dieser Kampf ist
aber ungemein euphorisierend, weil ich spüre, dass ich dabei meiner Vorstellung immer näher komme. Für mich darf es nicht zu „normal“ klingen, ein überraschendes und ungewohntes Element ist mir immer wichtig in der Musik. Ebenso ein tiefes, innerstes Gefühl, das vor allem beim Auftritt in die Musik kommt.

Die zweite Arbeitsweise ist handwerklich und technisch. Dabei lasse ich mich von einer Kompositionstechnik oder einem Werk inspirieren und schreibe dann z.B. alle Varianten auf, die sich aus den ausgewählten Tönen ergeben. Aus diesem Material erarbeite ich dann den Rest.

Bei beiden Arbeitsweisen sitze ich irgendwann am Klavier. Manchmal ist es aber auch befreiend, wenn ich losgelöst von den Tasten neue Ideen zu finden versuche und erst am Schluss überprüfe, ob es sich wirklich so anhört, wie ich es mir vorgestellt habe.